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Tino M. Böhler, M.A.,
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myOpenFactory – auf einem guten Weg zum Standard: „Die Verbreitung wird sich nach dem ‚Schneeballprinzip’ entwickeln!“

Im Jahr 2004 startete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte und vom Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe (PTKA) betreute Projekt myOpenFactory. Aufgabe des Konsortiums unter Federführung der RWTH Aachen war die Entwicklung einer Plattform, die kleineren und mittleren Unternehmen den Zugang zu elektronischer Geschäftsabwicklung ermöglicht. Das Ziel: Die Verwirklichung einer durchgängig integrierten Auftragsabwicklung in Produktionsnetzwerken des Maschinen-und Anlagenbaus. Damit sollten die Kernkompetenz ‚Auftragsabwicklung’ weiter gestärkt und so Wettbewerbsvorteile für die deutsche Wirtschaft erzielt werden. Den Quasi-Standard zur Kommunikation verschiedener ERP-Lösungen untereinander setzen heute zahlreiche Maschinenbauer und Zulieferer erfolgreich ein.

Firmenübergreifende Projekte und Nachrichtenaustausch werden mit myOpenFactory ohne redundante Datenpflege, händische Eingabe und teure EDI-Schnittstellen abgewickelt. Statt vieler unterschiedlicher Schnittstellen wird nur noch eine benötigt: vom ERP-System zu myOpenFactory. Dazu Wolfgang Sticht, Leiter Organisation, IT und Materialwirtschaft Burkhardt GmbH, Bayreuth: „Wir haben heute einen myOpenFactory-Bestellanteil an allen offenen Bestellpositionen von knapp 35 Prozent. Ein solcher Anteil elektronischer Bestellungen dürfte für einen Mittelständler unserer Größe sehr außergewöhnlich sein. Per Jahresende werden wir sicher die 40 Prozent überschreiten, vielleicht sogar in den Bereich von 50 Prozent kommen. Alle Arbeit, die wir uns jetzt schon in der Abwicklung sparen, können wir in das Trouble Shooting und damit in Liefertermintreue ‚investieren’.“ Jüngst angeschlossene Lieferanten bei Burkhardt sind u.a. SEW Eurodrive, WAGO, Würth, Bosch-Rexroth und Gebelein Lasertechnik. Nachrichten wie Anfragen, Angebote, Bestellungen und Auftragsbestätigungen werden über myOpenFactory ausgetauscht. Die Anbindung von Webshops wie etwa von Festo und Siemens befindet sich in der Realisierung.

Sticht wirft einen Blick auf die heute leider meist noch verbreitete Situation im Mittelstand: „Die Kernkompetenz ‚Auftragsabwicklung’ wird zumindest bei den kleinen und mittleren Unternehmen mit hohem Aufwand erkauft und ist von einer best practice häufig noch weit entfernt.“ Die elektronische Auftragsabwicklung bietet hier erhebliches Rationalisierungspotenzial, das aber – mangels geeigneter Lösungen – von den meisten KMU bisher nicht erschlossen werden konnte. Mit myOpenFactory ist es nun möglich, Unternehmen beliebiger Größe über eine einzige Schnittstelle und bei relativ geringem Aufwand elektronisch anzubinden.

Nutzen von myOpenFactory für den Fertigungsstandort Deutschland (Quelle: PSI)

Aus Sicht großer wie kleiner Lieferanten

Stärkere Kundenbindung und damit stabilere Geschäftsbeziehungen

Geringerer „Handlingsaufwand“ und schnellere Abwicklung

Weniger „Fehlerquellen“ und mehr (Bedarf-)Transparenz

Aus Sicht des Maschinen- und Anlagenbaus

Bessere Planungstransparenz und damit Lieferfähigkeit (Kundenzufriedenheit)

Kosteneinsparung im Einkauf und damit Zeit für strategischen Einkauf

Aus Sicht der Softwerker

Geringe Integrationskosten, da ein Standard-Interface bedient wird

Plug & Cooperate: Leichtes ein- und ausklinken in die Supply Chain

Aus Sicht der Förderer

myOpenFactory ist ein innovatives Konzept

myOpenFactory setzt einen Standard für Deutschland

myOpenFactory erhöht die Kooperationsproduktivität

myOpenFactory stärkt die Wettbewerbsfähigkeit

Volker Schnittler, VDMA, zu den größten Vorteilen von myOpenFactory: „Der neue Standard erschließt in der Abwicklung von Bestell- bzw. Liefervorgängen ein gewaltiges Potential. Erste Ergebnisse bei Unternehmen zeigen, dass in kürzester Zeit 15 bis 20 Prozent Arbeitsaufwand eingespart werden konnten. Das liegt vor allem daran, dass Medienbrüche vermieden werden und der Datenaustausch unmittelbar zwischen den ERP-Systemen funktioniert. Das betrifft sowohl Bestell- bzw. Auftragsdaten als auch Stammdaten. Zudem werden die Bestellvorgänge für den Besteller transparent, weil er sich ständig über den Auftragsfortschritt beim Lieferanten informieren kann und bei Verzögerungen gewarnt wird.“ Letzten Endes handelt es sich also um eine Clearingstelle, über die ERP-Systeme in einem auf beiden Seiten interpretierbaren Datenformat Informationen austauschen, die dann zum jeweils richtigen Partner geleitet werden.

myOpenFactory: Vom Forschungsprojekt zum Geschäftsmodell

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Projekt mit der Maßgabe gefördert, dass es sich nachweislich nach einer angemessenen Laufzeit zu einem Geschäftsmodell entwickelt. Die angebotene Dienstleistung sollte vermarktet und so sichergestellt werden, dass der Standard weiterhin betrieben und die Lösung weiterentwickelt wird. Dies ist durch die Gründung einer Genossenschaft, der myOpenFactory e. G., gelungen. Diese bietet auf ihrer Plattform die Lösung an, die es ihren Kunden ermöglicht, unterschiedliche ERP-Lösungen miteinander kommunizieren zu lassen. Damit entfallen Medienbrüche, die heute in den Geschäftsprozessen zwischen Bestellern und Lieferanten üblich sind und in der Regel in umfangreicher manueller Tätigkeit von Auftragssachbearbeitern überbrückt werden müssen. Dabei bietet myOpenFactory diese Lösungen zu Konditionen an, die für mittelständische Unternehmen interessant sind.

Der Standard wird bei Bestell- und Lieferprozessen so wie bei der Aktualisierung von Stammdaten eingesetzt. So hat ein mittelständisches Unternehmen immer die aktuellen Artikeldaten seiner Lieferanten. Seitens der ERP-Anbieter sind heute proALPHA, PSIPENTA, Infor, SAP, AMS, AP, Microsoft und weitere in der Lage den Standard zu unterstützen oder arbeiten an der Umsetzung. Überhaupt: „Die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Unternehmen läuft völlig problemlos und für alle Seiten mit einer deutlichen Steigerung des Nutzwertes. Der VDMA ist dabei ein großer Promoter, da ihm die Bedeutung von myOpenFactory als Datenstandard im EDI-Bereich für den Maschinen- und Anlagenbau bewusst ist“, erläutert Roland Kirschning, Geschäftsführer myOpenFactory eG.

Geplant seien bis zum 2. Quartal 2009 eine Nutzerzahl von ca. 500 Kunden auf der myOpenFactory-Plattform sowie eine Ausweitung auf weitere Branchen. Dazu noch einmal Roland Kirschning: „Die Verbreitung von myOpenFactory wird sich nach dem ‚Schneeballprinzip’ exponentiell entwickeln. Fokussierte andere Branchen sind u.a. die Automobil-, die Elektroindustrie und die Möbelbranche. Auch im internationalen Umfeld ist myOpenFactory eingesetzt: durch eine einfache ‚Localization’ kann jede Sprache implementiert werden. Aktuell existiert myOpenFactory neben Deutsch auch in Englisch, Tschechisch und Chinesisch.“

Quellen Fotos und Grafiken sowie weitere Infos: www.myopenfactory.de, www.fir.rwth-aachen.de, www.vdma.de , www.fzk.de/ptka , www.boschrexroth.com und Unternehmen.

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