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Tino M. Böhler, M.A.,
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Eisenbahnmuseum Dresden: „Erhalt und Pflege der Zeugen einer vergangenen Zeit!“

Millionen Zuschauer sahen sie im März 2007 im ZDF-Zweiteiler „Die Gustloff“. Und wenn sie nicht für andere TV-Produktionen im Rampenlicht steht, findet man sie im Lokschuppen des Eisenbahnmuseums der 1999 gegründeten IG Bw (Bahnbetriebswerk) Dresden-Altstadt e.V. Gemeint ist die 1902 hergestellte Dampflokomotive 89 6009, die seit 1971 als Museumslokomotive viele Fahrgäste auf zahlreiche Sonderfahrten zu Zielen in Deutschland, die Schweiz, nach Österreich und Frankreich sowie in das ehemalige Jugoslawien begeisterte. Doch jetzt ist erst einmal Schluß: „Am 23.06.2008 wurde die letzte betriebsfähige Dresdner Dampflok 89 6009 abgestellt“, so ist es auf der Website der IG Bw Dresden-Altstadt zu lesen, Rudi Ohme von der IG Bw erläutert: „Die zunehmenden Undichtigkeiten am Kessel im Bereich der Feuerbüchse durch abgezehrte Stehbolzen haben keinen Weiterbetrieb bis zum Ablauf der Kesselfrist im August diesen Jahres zugelassen. Nach Begutachtung durch den Kesselprüfer wurde der Kessel der Lok deshalb außer Betrieb gesetzt. Für die Instandsetzung der Lokomotive im Rahmen einer Hauptuntersuchung konnten wir bis jetzt erst ein Viertel der notwendigen Kosten in Höhe von 100.000 Euro zusammentragen.“ Doch dieses Problem ist für die Macher des Museums nicht neu. Seit Mitte der siebziger Jahre engagieren sich die ehemaligen Lokführer der Deutschen Reichsbahn Rudi Ohme (rechts), Jahrgang 1944, Dietmar Altmann, Jahrgang 1945, und andere Bahnbegeisterte für den Erhalt und die Pflege der Stahlrösser, was neben der kompletten Freizeit auch immer eine Stange Geld kostet. Doch das alles ist es den Lokführern a.D. wert, wie Dietmar Altmann es sieht: „Nach dem Ende der Dampflokzeit Mitte der Siebziger hatte man bei der Deutschen Reichsbahn keine weitere Verwendung mehr für die Dampflokomotiven. Glücklicherweise etablierten traditionsbewußte Eisenbahner das Verkehrsmuseum Dresden mit seinen Fahrzeugen im Bw. Letztendlich gründeten wir 1999 als ‚harter Kern’ die IG Bw Dresden-Altstadt, mit dem Ziel, die Tradition des Bw Dresden-Altstadt zu bewahren und die ehemaligen Helden der Schiene und Zeugen einer vergangenen Zeit der Öffentlichkeit, insbesondere Kindern, zugänglich zu machen.“ Gerade bei Kindern entfalten die 01 137, 03 001, 19 017, 62 015 oder der TV-Star 89 6009 – so die Typenbezeichnungen der im Eisenbahnmuseum beheimateten Dampfloks – eine gewisse Magie und ein Funkeln in den Augen, Ohme und Altmann müssen es noch wissen: „Als 10- bis 13jährige Jungs waren wir begeisterte Pioniereisenbahner – heute Parkeisenbahn. Schon damals in den fünfziger Jahren wurde dadurch unser Berufswunsch ‚Lokführer’ verstärkt, durften wir doch – wie heute – alles machen, nur nicht die Lok selbst fahren“, erinnert sich Rudi Ohme. Das sollte sich ändern: Nach der knapp vierjährigen Ausbildung zum Lokführer wurden Ohme und Altmann regelmäßig im Sommer von der DR abkommandiert, um als Lokführer die Pioniereisenbahn sicher durch den Großen Garten zu fahren. Die beiden Lokführer a.D. und Traditionshüter von heute können Kindern den Spaß und die Freude an der Parkeisenbahn nur wärmstens empfehlen, „ist sie doch auch eine gute Gelegenheit, sich spielend und doch verantwortungsvoll auf den späteren Berufsweg bei der DB vorzubereiten.“ Und wer als Junge wollte oder will nicht später einmal Lokführer werden? Altmann und Ohme bringen es auf insgesamt 71 Dienstjahre als Lokführer von Dampf-, Diesel- und E-Lokomotiven sowie ICs. Heute kümmern sie sich nur noch darum, dass die Zeit der dampfenden Stahlrösser und die damit verbundene Faszination nicht in Vergessenheit gerät, dazu Rudi Ohme. „Mit Gründung der IG Bw Dresden-Altstadt entschlossen wir uns, die Wege bei der schon jahrelang bestehenden Traditionspflege neu zu gestalten. Dabei wurde bewußt an die Tradition aus den sechziger und siebziger Jahre angeknüpft. Im Zeitalter einer DB AG und ihrer zahlreichen Tochterunternehmen zeichnete es sich ab, dass die Eisenbahntraditionspflege bzw. die Eisenbahnnostalgie neue Wege gehen muss, um das historisch technische Erbe deutscher Geschichte weiter zu erhalten. Hier hoffen wir auch auf Hilfe aus Industrie und Wirtschaft.“ Um neben Spenden weitere Geldquellen zu erschließen, kommt es neben den Lokvermietungen für das Fernsehen auch zu regelmäßigen Veranstaltungen und Sonderfahrten. Denn Geld wird immer gebraucht: Neben der Erhaltung noch vorhandener Immmobilien und technischer Anlagen für den Eisenbahnbetrieb, pflegen die etwa 15 aktiven der insgesamt 60 Mitglieder auch die Lokomotiven des DB Museums und die Fahrzeuge des Verkehrsmuseums Dresden. Zu den umfangreichen Arbeiten zählen u.a. Reparatur- und Wartungsarbeiten an Dampf-, Diesel- und E-Loks sowie an fast allen technischen Anlagen.

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