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Tino M. Böhler, M.A.,
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Deutsche Bahn: Lieferverzug bei Siemens und Bombardier – „Das EBA ist nicht der Verursacher der verspäteten Auslieferung!“

Durch eine von Siemens mitgeteilte neue Lieferverzögerungen der 16 ICE-3-Züge des Typs Velaro D (Baureihe 407) kann die Deutsche Bahn (DB) auch in diesem Winter ihre Reserveflotte im Fernverkehr nicht wie geplant aufstocken. „Unsere Kunden fühlen sich von Siemens im Stich gelassen. Wir hatten fest damit gerechnet, in diesem Winter die neuen Fahrzeuge in der Hinterhand zu haben, wenn aufgrund extremer Witterung fahrplanmäßig verkehrende Züge ausfallen“, sagt Berthold Huber, Vorstandsvorsitzender von DB Fernverkehr. „Man muss sich vor Augen führen, dass die Züge im Dezember 2008 bestellt wurden und uns ursprünglich bereits im letzten Dezember versprochen waren.“

Durch eine von Siemens mitgeteilte neue Lieferverzögerungen der 16 ICE-3-Züge des Typs Velaro D (Baureihe 407) kann die Deutsche Bahn (DB) auch in diesem Winter ihre Reserveflotte im Fernverkehr nicht wie geplant aufstocken.

Durch die aktuellen Lieferverzögerungen von Siemens sei auch der Ausbau der internationalen Fernverkehre betroffen. Doch das sind nicht die einzigen Probleme, mit denen sich die Deutsche Bahn kurz vor der Umstellung auf den Winterfahrplan herumschlagen muss. Auch im Regionalverkehr droht Ungemach: Nach verschiedenen Medienberichten kann auch der Hersteller Bombardier 22 „Talent 2-Züge“ für Mittelhessen aufgrund von Zulassungsverzögerungen beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) nicht rechtzeitig zum Fahrplanwechsel ausliefern.

Neben einem geplanten Krisengipfel bei Deutsche Bahn und Siemens hat bereits Ende November ein Treffen zwischen Bombardier Transportation und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zum Thema Talent 2-Züge für Mittelhessen stattgefunden, dazu Dr. Sebastian Heindrichs, PR Strategy Manager, Bombardier Transportation GmbH: „Hierbei hat es Fortschritte gegeben. Die Gespräche um die mögliche Zulassung der Regionalzüge des Typs Talent 2 verliefen in konstruktiver Atmosphäre. Beide Seiten haben betont, in enger Abstimmung zügig die noch ausstehenden Fragen zu klären. Hierzu gehören eine Prüfung des Bremsgutachtens und das Vorlegen weiterer detaillierter Zahlen.“ Zu Terminen der erwarteten Zulassungen könne man keine Aussagen machen, werde aber zeitnah über den Fortschritt informieren. Für Heindrichs außer Frage steht hingegen: „Der Zulassungsprozess in Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr kompliziert. Wir benötigen als Hersteller dringend belastbare und verlässliche Zulassungsprozesse, um die an uns gestellten Anforderungen optimal erfüllen zu können.“

Dr. Sebastian Heindrichs, PR Strategy Manager, Bombardier Transportation GmbH: „Hierbei hat es Fortschritte gegeben. Die Gespräche um die mögliche Zulassung der Regionalzüge des Typs Talent 2 verliefen in konstruktiver Atmosphäre. "

Wo aber genau liegen denn die Probleme, die das EBA im Zulassungsprozess anmahnt und die zu den Lieferverzögerungen geführt haben? Henning Wulf, Siemens AG, Infrastructure & Cities Sector Communications, stellt klar. „Das EBA ist nicht der Verursacher der verspäteten Auslieferung. Ursache dafür sind unvorhergesehene Software-Probleme, die Anfang November bei den gemeinsamen Testfahrten mit der Deutschen Bahn aufgetreten sind.“ Siemens bedauere diese Verzögerung ausdrücklich und arbeite mit aller Kraft daran, diese Probleme aus der Welt zu schaffen. Doch von irgendwelchen Bremsproblemen will Wulf nichts wissen: „Die Aussagen, die bezüglich der Bremsen durch die Medien geistern, sind absolut irreführend.  Es kam zu keinem Zeitpunkt zu irgendeinem Bremsenversagen. Siemens hat in umfangreichen Tests das Funktionieren der Bremsen in allen Konfigurationen nachgewiesen.“

Zum Zulassungsverfahren für den „Velaro D“ führt Moritz Huckebrink, Pressestelle Eisenbahn-Bundesamt folgendes aus: „Die Genehmigung der Doppeltraktion (also das Fahren mit zwei Lokomotiven an einem Zugende bzw. das Kuppeln zweier Triebzüge; Anmerkung der Redaktion), die Siemens ursprünglich für den Fahrplanwechsel vorgesehen hatte, macht Änderungen in Hard- und Software nötig. In dem Zusammenhang muss Siemens Sicherheitsnachweise – u.a. zur Bremse – erbringen.“ Für den derzeitigen Fahrzeugzustand sind bei Testfahrten nach Abgaben von Huckebrink noch Mängel aufgetreten. Nach den Aussagen des anerkannten Sachverständigen, den Siemens mit der Prüfung beauftragt hat, stehen die Fehler einer Zulassung (noch) entgegen. „Auf der Grundlage der uns bislang vorliegenden Dokumentation schließen wir uns der Auffassung des Gutachters an“, so Huckebrink. Es läge jetzt an Siemens, die Mängel zu beseitigen, was laut Siemens PR-Mann Wulf in vollem Gange ist: „Sachstand ist, dass der von uns beauftragte externe Gutachter einen vorläufigen Abschlussbericht mit uns und danach mit dem EBA diskutiert hat.“ In diesem Gutachten kämen einige Punkte zur Sprache, die aus Sicht des Gutachters nochmals einer Überprüfung unterzogen werden müssten. Aber die Prozesse liefen auch nach der Siemens-Ankündigung zum Lieferverzug weiter. „So konnte am 23.11.2012 die geplante Bestätigungsfahrt des EBA mit dem Velaro D für die Zugsicherung Linienzugbeeinflussung (LZB)erfolgreich durchgeführt werden. Damit ist das Teilsystem LZB zugelassen, auch in Doppeltraktion“, so Henning Wulf.

Gründe für die Lieferverzögerungen bei derart komplexen Produkten sieht EBA-Pressemann Huckebrink auch darin: „Grundsätzlich ist es nicht hilfreich, wenn Unternehmen neue Fahrzeuge unter großem Zeitdruck entwickeln. Schließlich geht es um technisch sehr anspruchsvolle Produkte, an deren Sicherheit man zu Recht sehr hohe Anforderungen stellt. In ihren Verträgen vereinbaren Hersteller und Besteller oft nur eine Frist von zwei Jahren – von der Bestellung bis zur Lieferung.

Dr. Volker Kefer, Konzernvorstand Technik und Infrastruktur der Deutschen Bahn: „Um eine belastbare Einsatzplanung der Fahrzeugflotte zu machen, brauchen wir dringend mehr Verlässlichkeit bei der Herstellerindustrie."

Seriös lässt sich ein neues Fahrzeug in dieser Zeit nicht entwickeln, erproben, behördlich zulassen und produzieren.“ Andererseits gibt es auch immer wieder kritische Stimmen – wie Bombardier-Mann Heindrichs – zum (unnötig) komplizierten und langen EBA-Zulassungsverfahren. „Wir werden uns nicht an der EBA-Schelte beteiligen“, sagt dazu Henning Wulf von Siemens, Wulf weiter: „Unabhängig davon würden wir uns – so wie andere Hersteller auch – eine bessere Ausstattung des EBA mit personellen und finanziellen Ressourcen und einem optimierten Zulassungsprozess wünschen.“ Das würde sich mit den Erwartungen des EBA decken und würde der deutschen Herstellerindustrie, den Betreibern und auch den Fahrgästen zu Gute kommen. „Wir sind mit dem Verkehrsministerium, der Deutschen Bahn und anderen Herstellern gemeinsam in der Diskussion mit dem Eisenbahnbundesamt, um die Zulassungsprozesse in Deutschland zu verbessern“, so Wulf.

Ins gleiche Horn wie Wulf stößt auch Dr. Volker Kefer, Konzernvorstand Technik und Infrastruktur der Deutschen Bahn: „Um eine belastbare Einsatzplanung der Fahrzeugflotte zu machen, brauchen wir dringend mehr Verlässlichkeit bei der Herstellerindustrie. Wir bauen auf gute Kooperation, um die Prozesse mit Blick auf Qualität und schnellere Zulassungen zu verbessern. Das setzt einen offenen und partnerschaftlichen Dialog voraus. Das muss besser werden.“