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Tino M. Böhler, M.A.,
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Studie: Transformation der Mobilität in vollem Gange

Frankfurt, im Mai 2021 – Die Mobilität befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Insbesondere getrieben von Emissionsgesetzgebungen, geplanten Verboten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in einigen Ländern und Forcierung der Elektrifizierung.

Die aktuelle Studie ‚Antrieb im Wandel‘ von VDMA und FEV Consulting GmbH zeigt hierzu auf, dass weltweit bis zum Jahr 2040 knapp 45 Prozent von insgesamt 128 Millionen verkauften Pkw rein batterieelektrisch oder mit Brennstoffzelle betrieben sein werden. Die Anzahl der verkauften Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fällt im Vergleich zu 2019 bis dahin weltweit um 16 Prozent. Damit verbunden sind massive Auswirkungen auf die Wertschöpfung und die Investitionen, insbesondere in Europa, USA und China, den Kernmärkten der automobilen Mobilität.

Professor Dr. Stefan Pischinger, Vorsitzender der Geschäftsführung und Geschäftsführender Gesellschafter der FEV Group: „Die Wertschöpfung durch die Fertigung reduziert sich und wird in die vorgelagerte Wertschöpfungskette verschoben.“ Bild: FEV Group

„Die Transformation im Mobilitätsbereich ist in vollem Gange. Insbesondere der Wandel in den Antriebstechnologien wird in den kommenden Jahren deutlich zu sehen sein, mit hohen Anteilen für batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge. Der Maschinen- und Anlagenbau steht als Technologielieferant im Zentrum der Entwicklung“, sagt VDMA-Präsident Karl Haeusgen.

 

Massiver Wandel vor allem in Europa

Insbesondere für Europa sieht die Studie einen deutlichen Umschwung voraus. Betrachtet man die Verschärfung der Abgasgesetzgebung im Zuge des Green Deal der EU, kann davon ausgegangen werden, dass in Europa 2040 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen. Neben batterieelektrischen Fahrzeugen wird die Bedeutung von Brennstoffzellenfahrzeugen deutlich zunehmen, die nach Aussage der Szenario-Studie einen Marktanteil von rund 22 Prozent in der EU erreichen werden.

 

Transformationsbedarf hin zu elektrischen Komponenten

Damit verbunden sehen die Studienautoren eine positive Entwicklung des Geschäftspotenzials für den Maschinen- und Anlagenbau. Erwartet wird eine Steigerung um rund 75 Prozent auf 403 Milliarden Euro für elektrische Antriebsstrangkomponenten bis zum Jahre 2040.

Die Anzahl der verkauften Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fällt. Damit verbunden sind massive Auswirkungen auf die Wertschöpfung und die Investitionen insbesondere in Europa, USA und China. Bild: VDMA

Dabei wird es einen starken Umbruch von Technologien und Komponenten für den konventionellen und ausgereiften Verbrennungsmotor hin zu Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang geben. In Europa wird ein Rückgang von bis zu 80 Prozent bei klassischen Verbrennertechnologien erwartet. Lediglich China hat hier über den betrachteten Zeitraum einen Zuwachs von 13 Prozent aufgrund des großen Marktwachstums. „Deutschlands wichtigste Industriegruppen, der Maschinenbau und die Automobilindustrie, sind daher auf einen Zugang zu den weltweiten Märkten und einen funktionierenden Freihandel angewiesen“, betont VDMA-Präsident Haeusgen. „Insbesondere elektrische Systeme und Komponenten wie die Batterie, der Elektromotor und die Leistungselektronik, aber auch Brennstoffzellenkomponenten sind zukünftig die Wachstumstreiber. Zugleich verschiebt sich die Wertschöpfung  deutlich von fertigungsintensiven Aktivitäten hin zu einer höheren Materialintensität. Die Wertschöpfung durch die Fertigung reduziert sich und wird in die vorgelagerte Wertschöpfungskette verschoben“, sagt Professor Dr. Stefan Pischinger, Vorsitzender der Geschäftsführung und Geschäftsführender Gesellschafter der FEV Group. Insgesamt wird erwartet, dass in der Fertigung von Fahrzeugantrieben in Europa bis 2040 rund 160.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Der Maschinenbau kann, nutzt er die Möglichkeiten des Wandels, sein Niveau von 55.000 Arbeitsplätzen im Bereich Pkw-Antriebe erhalten.

 

Investitionsbedarf in Antriebstechnologie und Infrastruktur

Um die zukünftigen Antriebe zu produzieren, wird mit einem jährlichen inflationsbereinigten Investitionsvolumen von rund 11,5 Milliarden Euro pro Jahr in Europa gerechnet. Damit entspricht der Investitionswert für das Jahr 2040 in etwa dem von 2019.

VDMA-Präsident Karl Haeusgen: „Der Maschinen- und Anlagenbau steht als Technologielieferant im Zentrum der Entwicklung.“ Bild: VDMA

Zusätzliche Chancen für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus entstehen in den vorgelagerten Prozessen der Lieferkette, zum Beispiel bei der Verarbeitung von Rohstoffen für Batteriezellen und dem späteren Recycling. Auch der Ausbau der notwenigen Infrastruktur, dazu zählen Ladestationen und Wasserstoff-Lieferketten, bieten Geschäftspotenziale. Der erfolgreiche Zieleinlauf beim Antrieb im Wandel ist wahrlich kein Selbstläufer“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Der Transformationsprozess stellt die Unternehmen vor gewaltige Aufgaben. Öffentliche Mittel müssen am Anfang der Wertschöpfungskette investiert werden – in Forschung und Lehre, in berufliche Qualifizierung und somit auch in intelligente Produktionstechnologien und Produkte“, fordert Rauen.

Dabei darf der Wandel nicht starr auf eine Technologie gestützt werden. Vielmehr gilt es, technologieneutral jeweils die beste Alternative für die jeweilige Anwendung zu entwickeln und über die Automotive-Applikation hinaus zu denken. Deutschland und Europa haben alle Voraussetzungen, führender Innovations- und Produktionsstandort zu bleiben. Die hohe Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein von Nachhaltigkeit geprägtes Mindset und eine führende Position in einer intelligent vernetzten Produktion begründen die Zuversicht, dass die Mobilität der Zukunft hier produziert wird.