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Tino M. Böhler, M.A.,
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Mit Software aus der Krise: Prozesse optimieren, Kosten senken mit Business Intelligence, ERP II, SOA und Web-2.0-Anwendungen

Eine vom Business Analytics-Software-Spezialisten SAS in Auftrag gegebene und vom Marktforschungsinstitut Economist Intelligence Unit im Frühjahr 2009 durchgeführte Umfrage unter 334 Führungskräften von Finanzdienstleistern wollte wissen: ‚Hätte die aktuelle Wirtschaftskrise mit besserer Software verhindert werden können?’ Die Antwort lautete mehrheitlich ‚Ja!’. Neben der schlechten Datenqualität seien mangelhaftes Fachwissen sowie die fehlende Risikokultur die größten Hindernisse. Jetzt ist diese nach Meinung der Marktforscher u.a. durch IT-Defizite mitverschuldete Finanzkrise aber schon lange eine globale geworden und stellt gerade Fertigungsunternehmen vor sehr große Herausforderungen. Und auch hier kommt der IT wieder eine entscheidende Rolle zu, dieses Mal aber als Retter in der Not, dazu Hermann Wedlich, Symantec Deutschland: „In Krisenzeiten sind Unternehmen gut beraten, ihre IT-Prozesse zu optimieren und vereinfachen. Die Unternehmen suchen nach Einsparmöglichkeiten. Für das IT-Management bedeutet dies, die Kosten-Debatte selbst aktiv anzugehen und zu gestalten. Eine zentrale Frage dabei ist, welche Projekte Betriebskosten senken oder einen nachweisbaren Wert für das Unternehmen darstellen. Einsparmöglichkeiten zeigen, dass IT nicht Teil der Krise, sondern vielmehr Teil der Lösung sein kann.“ Doch welche IT-Lösungen, welche Anwendungen sind dazu in der Lage? Nach Meinung des Bereichsleiters Software beim BITKOM, Stephan Ziegler, liege großes Potenzial in der Kopplung von verschiedenen Systeme zur durchgängigen Unterstützung der gesamten Wertschöpfungskette durch IT. „Darüber hinaus rücken Business Intelligence- und Business Process Management -Tools in den Fokus des Interesses, um Kostentreiber und Einsparmöglichkeiten zu identifizieren, Lösungen auf Prozess- und Fertigungsebene zu simulieren und umzusetzen“, so Ziegler weiter. Im Bereich betriebswirtschaftlicher Standardsoftware beispielsweise ist nach Meinung vieler Experten die Durchdringung der produzierenden Betriebe weit fortgeschritten und „liegt in Deutschland im klassischen Mittelstand bei über 90 Prozent“ (Ralf Gärtner, Vorstand Marketing und Leiter Produkthaus ERP SoftM AG). „Aber das Optimierungspotenzial ist dennoch sehr groß“, so Gärtner weiter, „weil eine neue Generation von ERP-Systemen, ERP II, moderne, flache Unternehmensstrukturen unterstützt, Prozesse durchgängig über die Fachabteilungen hinweg gestaltet und Zusammenarbeit in kollaborativen Netzwerken über das Internet realisiert.“ Ilja Hauß, Geschäftsführer Communardo Software GmbH, sieht im Bereich Collaboration ebenfalls Optimierungsmöglichkeiten, erkennt aber auch den Sparzwang der Unternehmen: „Viele Mittelständler insbesondere aus dem Maschinen- und Anlagenbau sind in den letzen Jahre massiv über weltweite Expansion gewachsen. Mit den neuen, verteilten Standorten ist die effiziente Kommunikation, Zusammenarbeit und besonders der reibungslose Wissens- und Erfahrungsaustausch zur erfolgskritischen Herausforderung geworden.“ Die Kommunikationsinfrastruktur sei dabei häufig nicht dem organisatorischen Wachstum gefolgt und könne die Anforderungen kaum noch abdecken. In den aktuellen Zeiten seien allerdings auch keine großen Budgets für Technologieprojekte verfügbar. Hauß weiter: „Insbesondere für die Unterstützung eines durch alle Mitarbeiter getragenen Wissensmanagements ist der Einsatz von Web 2.0-Lösungen wie Wikis, Blogs und Tagging mit geringen Technologiekosten verbunden und kann in kurzer Zeit einen großen Effekt erzielen.“ Dr. Stefan Wünschmann von TNS Infratest Automotive kann dies für den Bereich Automobilhersteller nur bestätigen: „Besonders wichtig für den künftigen Markterfolg der Automobilhersteller im Bereich alternative Antriebe ist ein hoher Share-of-Voice im Internet. Dies gilt vor allem für Blogs und Foren im sogenannten Web 2.0.“

Karl-Heinz Streibich, Präsidiumsmitglied des BITKOM, plädiert abschließend für den Einsatz von SOA, Service-orientierten Architekturen: „Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten haben jene Unternehmen Vorteile, die ihre IT auf SOA umgestellt haben.“ SOA sei die Basis für die Verbesserung betrieblicher Abläufe und unterstütze beispielsweise das Auslagern von Prozessen. „Service-orientierte Architekturen ermöglichen es, neue und optimierte Prozesse in einem Unternehmen mit Hilfe der IT sehr schnell umzusetzen und somit zügig auf Marktänderungen zu reagieren“, so Streibich weiter.

Kasten: Auszug eines aktuellen VDMA-Papiers „In schwierigen Zeiten richtig handeln“

„Das Potential von IT ist aber längst noch nicht ausgeschöpft. So können durch den Einsatz von Produktkonfiguratoren nicht nur die enormen Kosten für die Verwaltung und Bewirtschaftung funktionsredundanter Artikel drastisch reduziert werden. Auch die Geschwindigkeit der Angebotslegung wird signifikant erhöht, womit die Prozesskosten dafür sinken. Die Kosten für Produktdokumentation und Übersetzung können ebenso durch den Einsatz geeigneter Werkzeuge nach der Erfahrung von Mitgliedsunternehmen im zweistelligen Prozentbereich gesenkt werden. Ähnliche Erfolge lassen sich durch den Einsatz von MES (Manufacturing Execution System) für die Feinplanung und Steuerung der Produktion erzielen. Im Einkauf bringt der Einsatz moderner Werkzeuge in Mitgliedsunternehmen auch zweistellige Einsparungspotentiale beim Personaleinsatz, so dass sich die Einkäufer verstärkt um strategische statt operative Einkaufsthemen kümmern können. Wie sich die ganzen Kosten im Unternehmen entwickeln, kann mit modernen Business Intelligence (BI) Lösungen überwacht werden. Es zeigt sich also, dass das Ausschöpfen von Potentialen, die der Einsatz von IT verspricht, weit höherer Nutzen für die Unternehmen erzielen kann als bloße Sparmaßnahmen.“


Kasten: Die IT und die Krise

Was die Auswirkungen der Krise auf die IT-Branche selbst anbelangt, sind die Experten eher entspannt, dazu Volker Schnittler, VDMA Software: „Gerade die mittelständischen Systemhäuser haben die letzte IT-Flaute durch ihre Kundennähe recht gut überstanden und sind eher gestärkt daraus hervorgegangen. Das erwarte ich auch dieses Mal. Es gibt also aus meiner Sicht für Unternehmen hier keine Veranlassung auf Grund von Sorgen über die Zukunftsfähigkeit mittelständischer Systemanbieter Zurückhaltung zu üben.“ Auch BITKOM-Mann Ziegler sieht keinen Anlass zur Sorge: „Die ITK-Branche ist von der allgemeinen wirtschaftlichen Krise eher leicht betroffen. Es wird einen Rückgang im Branchenumsatz geben, dieser wird aber nach heutigen Schätzungen deutlich niedriger ausfallen als der erwartete BIP-Rückgang. Viele Anwender investieren derzeit eher zurückhaltend in ihre IT, daher lässt sich ein gewisser Investitionsstau feststellen.“ Im Nachgang zur Hannovermesse konstatierte Rainer Glatz, VDMA Software: „Trotz einer schwierigen Ausgangslage zeigte sich, dass viele Besucher die Zeit nutzten, um sich über neue Lösungen zur Optimierung der Prozesse im Umfeld der industriellen Produktion zu informieren.“ Viele Unternehmen hätten erkannt, dass es jetzt gelte, die Prozesse zu optimieren, um die richtige Startposition zu besitzen, wenn die Konjunktur wieder anziehe.

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