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Tino M. Böhler, M.A.,
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Silicon Saxony – Ein Standort bringt sich in Stellung und kämpft um EU-Milliarden

Infineon baut 160 Jobs am Standort Dresden ab, Global Foundries hat seinen Ausbau und Investitionen in der Landeshauptstadt nahezu abgeschlossen und die Branchenleitmesse Semicon zieht nächstes Jahr ins französische Grenoble, wo ST Microelectronics sich zudem anschickt, mit Hilfe eines Milliarden-Programms von Staat und EU seine Produktionskapazitäten zu verdoppeln.

Keine guten Nachrichten für den Erstligastandort ‚Silicon Saxony’. Auch nicht, dass nach Expertenangaben nur 1 Prozent der ersten Rate der 100-Milliarden-Spritze der EU in  Dresdens Halbleiterindustrie fließen sollen. Und versprach sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich 2009 von der Semicon noch „neue Impulse für die sächsische Chipindustrie und langfristig noch mehr Arbeitsplätze“, kann er heute schon froh sein, wenn nicht noch mehr Jobs – wie im Fall Infineon etwa durch den Einsatz von mobilen Robotern der Dresdner HAP GmbH – oder aus anderen Gründen wegfallen. Droht ein Abstieg in Liga zwei oder gehen die Lichter im Silicon Saxony langsam ganz aus? „Nein!“ sagen Wirtschaft und Politik einstimmig. So glaubt Tillich fest daran, dass trotz der Infineon-Maßnahme Fachkräfte am Standort Dresden weiter stark nachgefragt werden, wie er gegenüber Dresden Fernsehen sagte: „Die Automatisierung dient lediglich dazu, die wenigen Fachkräfte sinnvoll einzusetzen.“ Die Mikrochip-Industrie wachse weiter, die Biotechnologie ebenfalls, Experten dafür würden immer gesucht werden. Das sieht Roth&Rau-Ortner-Chef und Silicon Saxony-Präsident Heinz-Martin Esser ähnlich: „Es wird nicht automatisiert, um Mitarbeiter zu verlieren. Automatisierung dient ausschließlich dazu, dem weltweiten technologischen Fortschritt zu folgen und ist deshalb eine Notwendigkeit für eine moderne Chipfabrik, wettbewerbsfähig zu bleiben und viele Arbeitsplätze zu sichern.“

Chipproduktion in Europa

Es gibt drei führende Zentren der Chipproduktion in der EU. Dresden ist und bleibt nach Angaben des Branchenverbandes Silicon Saxony der größte Produktionsstandort für 300mm-Mikrochips in der EU. Der Mikroelektronik-Standort in Sachsen soll sich künftig auf seine Stärken in der Entwicklung und der Fertigung von „intelligenten Halbleitern“ konzentrieren und damit den Standort als Spitzen-Cluster in Europa auszubauen. In Leuven (Löwen) – mit stark ausgeprägter Forschungslandschaft – wird vor allem daran gearbeitet, mehr Chips in einem Produktionsdurchgang herzustellen, und zwar auf Wafern mit 450 statt 300mm-Durchmesser. Im französischen Grenoble setzt man daran, noch feinere Strukturen auf den Chips unterzubringen. In Grenoble findet zudem ab 2014 alle zwei Jahre die Messe Semicon Europe im Wechsel mit Dresden statt.

Haidas: „Die weitere Automatisierung unserer 200mm-Fertigung ist für uns ein entscheidender Hebel, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben.“ (Der Helping Robot in der praktische Anwendung bei Infineon)

Pantelis Haidas, Geschäftsführer von Infineon Technologies Dresden, erläutert die Personalanpassungen zur Standortsicherung: „Schon heute sind wir eine der hochautomatisiertesten 200mm-Fertigungen weltweit. Unsere Konkurrenten sind aber hauptsächlich die Auftragsfertiger in Südostasien, die zumeist Logikchips bereits auf 300mm großen Wafer produzieren. Die weitere Automatisierung unserer 200mm-Fertigung ist für uns ein entscheidender Hebel, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Man hoffe aber, durch geeignete Maßnahmen, auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können.

Geht es nach Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok, muss sich Silicon Saxony in Zukunft durch eine strategische Konzentration auf die sogenannte intelligente Mikroelektronik stärker positionieren. Dies sei auch ein Angebot an die zahlreichen Unternehmen der Halbleiterbranche, sich auf diesem Gebiet noch mehr zu engagieren, so der Minister. „Der Freistaat ist bereit, seinen finanziellen Beitrag zu leisten, damit die in Aussicht gestellten Fördermittel der Europäischen Union nach Sachsen fließen können“, verspricht Morlok mit Blick auf die Milliarden-Spritze für ST Microelectronics. „Dies ist gleichzeitig ein Angebot, aber auch eine Aufforderung an den Bund und an die Unternehmen, sich ebenso entschlossen zu engagieren, damit Deutschland – und damit auch Sachsen – künftig ein attraktiver Halbleiterstandort bleibt und die enormen Potenziale dieser Technologie für seine Volkswirtschaft nutzen kann“, so der Staatsminister weiter.

Esser: „Automatisierung dient ausschließlich dazu, dem weltweiten technologischen Fortschritt zu folgen.“ (Der Roboter HAP-HERO im Einsatz bei Infineon)

Als unmittelbare Reaktion auf die Aufforderung Morloks und auf die unschönen Nachrichten im Semicon-Umfeld könnte man durchaus die Gründung von „Silicon Germany“ am Rande der Messe verstehen. „Mit ‚Silicon Germany’ wollen wir der erfreulichen Entwicklung Rechnung tragen, dass sich immer mehr nationale Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft unserem Kreis angeschlossen haben“, erläutert Sabine von Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst den illustren Kreis Wirtschaft und Forschung. An der konstituierenden Sitzung nahm erstmals auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung durch den für Schlüsseltechnologien zuständigen Abteilungsleiter teil. Die neue Arbeitsgruppe ist aus der in Vorbereitung des IT-Gipfels 2010 in Dresden entstandenen regionalen „Arbeitsgruppe Mikroelektronik“ hervorgegangen. Diese AG setzt sich für eine Stärkung der sächsischen und deutschen Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie ein. Wirtschaftsminister Morlok sieht die Rolle Sachsens dabei ganz klar:„Die Stärken Sachsens liegen insbesondere in den so genannten ‚More-than-Moore-Technologien‘, also Chips, die nicht nur rechnen können, sondern gleichzeitig auch andere Funktionen haben, zum Beispiel als Sensoren oder Aktoren.“ Sachsen könne im Verbund mit den weiteren europäischen Standorten Grenoble und Leuwen seine Stärken einbringen.

Helmut Warnecke, Geschäftsführer Infineon Technologies Dresden und Vorstandsmitglied im Silicon Saxony e.V. sieht den Standort Dresden weiter vorne: „Silicon Saxony ist der einzige Standort in Europa, der über die komplette Wertschöpfungskette der Halbleiterherstellung verfügt mit Hochvolumenproduktion und Forschungslandschaft.“ Auch für Heinz-Martin Esser läuft am Standort- Dresden alles richtig, allerdings wünscht er sich mehr Support aus Berlin: „Wir sind der größte europäische Standort für die Chipproduktion.

„Der Freistaat ist bereit, seinen finanziellen Beitrag zu leisten, damit die in Aussicht gestellten Fördermittel der Europäischen Union nach Sachsen fließen können“, verspricht Morlok mit Blick auf die Milliarden-Spritze für ST Microelectronics.

Dresden ist auch weltweit anerkannter und angesehener Fertigungsstandort.“ Hier gebe es mit den vielen Fraunhofer Instituten und der TU Dresden wichtige Symbiosen mit der Forschung. Eines sei klar: Ohne Forschung gebe es keine Produktion und umgekehrt werde ohne Produktion die Forschung ins Leere laufen. „Von der Bundesregierung wünsche ich mir klare Signale, was die Kofinanzierung europäischer Forschungsprojekte betrifft. Im Moment sind die Signale aus Berlin noch nicht so stark. Wir setzen auf die Bundeskanzlerin. Frau Dr. Merkel hat in der letzten Zeit häufig die Bedeutung der Mikroelektronik betont.

„Mit ‚Silicon Germany’ wollen wir der erfreulichen Entwicklung Rechnung tragen, dass sich immer mehr nationale Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft unserem Kreis angeschlossen haben“, erläutert Sabine von Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst den illustren Kreis Wirtschaft und Forschung.

Sie hat klar gesagt, dass der Schutz der sächsischen Mikroelektronik Sache der Europäer ist, und nimmt damit die europäische Allianz für unseren Standort in die Pflicht.“ Er sei sich sicher, dass hier in der nächsten Legislaturperiode viel passieren werde, so Esser. Karin Raths, EMEA Communications Globalfoundries, pflichtet ihm bei: „Die Bundeskanzlerin hat betont, dass die Mikroelektronik eine Schlüsselrolle für die Zukunft der deutschen Wettbewerbsfähigkeit spielt. Nun kommt es darauf an, dass die EU Initiative zügig durch die nationale Politik begleitet wird.“ Dieses verlange einen Schulterschluss zwischen Brüssel, Berlin und Sachsen.